Tattoo-Kette, nein Danke!

Die Jugendsünde in den 90er: Die Tattoo-Kette
Die Jugendsünde in den 90er: Die Tattoo-Kette

Es gibt Dinge, die verschwinden. Einfach so. Nicht, weil man sie verliert oder gar nicht mehr findet, sondern weil sie längst überholt sind. Es gibt keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft für solche Dinge. Oder sie sind schlicht in Vergessenheit geraten. Dazu gehört: Das Telefon mit der Wählscheibe. Oder: Ein Kassettenrekorder. Auch das Handy mit Antenne scheint man nur aus alten Hollywood-Streifen zu kennen. Dann gibt es aber auch Dinge, die hat man absichtlich vergessen. Für die man keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft haben will. Dazu gehört: Die Schlaghose! Und vor allem: Die Tattoo-Kette! Die Kette, die um 1998 ihren Höhepunkt feierte, am Hals wie ein Tattoo wirkt, da sie sich eng um diesen schlingt und nur aus Plastik besteht, das durch mehrere geometrische Formen zusammenhängt. Doch damals, da waren die meisten (überwiegend) Trägerinnen zwischen acht und 14 und die Tattoo-Kette passte hervorragend zu der silberglänzenden Zahnspange, die fast ein ähnliches Muster wie jenes der Tattoo-Kette aufwies. Dazu kamen die schlecht gefärbten Haaren und die Schlaghose. Eine Jugendsünde, ein Zeichen des schlechten Geschmacks. Wobei eine schlechte Färbung der Haare noch heute in der Gesellschaft vorhanden ist – ein Ausblick zur Hose folgt weiter unten. Die Tattoo-Kette und die Schlaghose hakte man jedenfalls in den 2000er wieder ab. Verschwunden und vergessen für immer – so schien es.

Was sich bei den Frauen jedoch verändert hat…

Doch jetzt ist 2015 und plötzlich kriechen sie wieder aus allen Löchern: Die Frauen mit diesen Tattoo-Ketten. Als hätte sie ihnen jemand bei Nacht wie ein Halsband umgelegt. Passend dazu glänzt es auch im Mund – dieses Mal allerdings nur leicht. (Mittlerweile gibt es ja durchsichtige Zahnspangen-Drähte…). Was sich bei den Frauen jedoch verändert hat, ist die Hose: Noch ist sie enganliegend, von Skinny-Jeans ist die Rede. Dazu ein bauchfreies Top, Sneakers mit oder ohne Plateau. Doch Modeblogs twittern bereits, dass die Schlaghose langsam Schuss auf die Zielgerade nimmt und bald wieder Platz im Kleiderschrank findet. Neben den verkürzten Tops und leichten Tattoo-Ketten soll da auch noch Platz sein. Es bleibt fraglich, ob man auch wieder mit Technopoptrash – die Rede ist von Musik à la Blümchen – rechnen darf.

Dabei soll es bekanntlich immer dauern, bis sich Mode, Kleidungsstile oder gar Epochen wiederholen. Ist es wirklich schon wieder so weit? Oder gar Resultat unserer immer schneller lebenden Gesellschaft?

Hallo Postmoderne, es geht mir wieder zu schnell! Hilfe! Es bleibt nur zu hoffen, dass sich der Tattoo-Ketten-Hype genauso rasant wieder legt und ihn die Gesellschaft ganz fix vergisst. Anderenfalls sehe ich mich gezwungen, alle Tattoo-Ketten aufzukaufen und sie verschwinden zu lassen. Bei Rund 80 Cent (gefunden auf Amazon) muss das wohl machbar sein. Es sei denn, es folgt noch die Revolution des Kaugummiautomaten – worin sich auch Plastikkugeln befanden, die Tattoo-Ketten enthielten – dann bestelle ich noch “Tattoo-Ketten, nein Danke!”-Aufkleber.

Manchmal auch mit Tattoo-Ketten gefüllt: Der Kaugummiautomat

 

 

 

 

 

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